JuZüHa History Blog

Bald berühmt – Elgars Serenade

Es sollten noch sieben Jahre vergehen, bis Elgar mit den Engima Variationen seinen endgültigen Durchbruch schaffen würde, als er 1892 die Streicherserenade fertigstellte. Anfangs der 90er Jahre schien ihm das Musikleben Englands, trotz all seiner Bemühungen, noch die kalte Schulter zu zeigen. 1889 war er nach London gezogen in der Hoffnung, Bekanntheit zu erlangen und vor allem Arbeit zu finden. Bereits 1891 musste er mangels Einkommens die Hauptstadt wieder verlassen und kehrte zurück aufs Land nach Worcestershire. Als Dirigent lokaler Musikvereine und als Lehrer verdiente er dort den Lebensunterhalt für sich, seine Frau Alice und seine einjährige Tochter Carice. Die

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Sturm und Drang: Hertels Fagottkonzert

Johann Hertel stammte aus einer alten Musikerfamilie. Sein Vater Johann Christian Hertel war ein berühmter Gambist am Hof von Eisenach. Dementsprechend erhielt Johann Wilhelm früh eine gute und fundierte Musikausbildung und begleitete seinen Vater schon in jungen Jahren am Cembalo. Allerdings zog er ein Jurastudium lange dem Musikerleben vor, bis er mit 17 Jahren ein Konzert von Phillip Emanuel Bach hörte und sich tief beeindruckt für ein Künstlerleben entschied. 1742 wurde er als Violinist und Cembalist an der Mecklenburger-Strelitzer Hofkappelle angestellt, später wurde er Hof- und Kapellkompositeur an der Mecklenburger-Schweriner Hofkapelle. Als Hofkomponist schrieb er eine grosse Anzahl an Solokonzerten,

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Souvenir de Florence – eine lange Werkgeschichte

Im Juni 1887 entstanden erste Pläne Tschaikowskys, ein Sextett zu schreiben als Geste der Dankbarkeit gegenüber der St. Petersburger Gesellschaft für Kammermusik, zu deren Ehrenmitglied er ein Jahr zuvor ernannt worden war. Allerdings blieb es in diesem Jahr bei der Idee und einigen Skizzen. 1888 hatte ihn die Idee immer noch nicht losgelassen, wie er in einem Brief an seine Gönnerin Nadezhda von Meck schrieb. Doch es sollte noch bis ins Jahr 1890 dauern, bis er wirklich mit der Arbeit begann. Februar und März dieses Jahres verbrachte er in Florenz und beendete dort nach wenigen Wochen Arbeit am 2. März

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Die feurige Version von Bach – Bachianas Brasileiras

Villa-Lobos findet eigentlich überall Rohstoffe für seine Kompositionen: In der brasilianischen Volksmusik, in der Unterhaltungsmusik, im französischen Impressionismus, in der russischen Schule und im deutschen Barock. Alles kombiniert er zu einer schillernden und farbigen Klangsprache. Villa-Lobos liebte die Musik Bachs und sah in ihr „eine Musik für das Volk“. Bei seinen Studien entdeckte er strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen der brasilianischen und barocken Musik. Er ging sogar soweit, dass er Strassenmusikern in Rio de Janeiro Bach vorsetzte und dabei herausfand, dass sie Barockmusik genauso natürlich und mühelos spielten wie die traditionellen Volkweisen. Durch diese Beschäftigung entstanden zwischen 1930 und 1945 die Bachianas

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Schillerndes Leben: Villa-Lobos

In Rio de Janeiro geboren, erhielt Heitor Villa-Lobos ersten Cellounterricht von seinem Vater, einem Buchhändler, damit er gemeinsam mit Freunden Strassenmusik machen konnte. Während zahllosen Stunden als Strassenmusikant und durch viele Reisen ins Landesinnere lernte er die brasilianische Volksmusik kennen. Nach einem gescheiterten Versuch, Musiktheorie zu studieren, verdient er sich sein Geld als Cellist in Cafés und auf der Strasse und erweitert seine Kompositionskenntnisse autodidaktisch. 1913 kam er erstmals mit der Musik von französischen Impressionisten und von Strawinsky in Berührung. Arthur Rubinstein entdeckte 1917 den jungen Musiker in Rio de Janeiro. So wurde es Villa-Lobos möglich, in den 30er Jahren

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Schon mal vom Serenaden-Fuchs gehört?

Robert Fuchs (1847-1927) In Wien bekannt unter dem Spitznamen Serenaden-Fuchs, gehörte Robert Fuchs zu den wichtigsten Kompositionslehrer seiner Zeit. Unter seinen Schülern waren Gustav Mahler, Hugo Wolf, Franz Schreker, Jean Sibelius und Wolfgang Korngold. Weniger bekannt ist der Österreicher heutzutage jedoch für seine eigenen Werke. Sein Schaffen zeugt jedoch von grösster Kunstfertigkeit. Seine Serenaden waren in Wien äusserst erfolgreich und gehörten lange zum Standardrepertoire der Wiener Philharmoniker. Auch Johannes Brahms lobte und förderte Fuchs zeitlebens. Trotzdem konnte sich sein Werk nicht langfristig durchsetzen. Einerseits hielt Fuchs auch nach Brahms‘ Tod, und als in Wien mit Mahler bereits ein viel progressiverer

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Der Dichter hinter „Der Tod und das Mädchen“

Wer steckt eigentlich hinter dem Gedicht „Der Tod und das Mädchen“, welches Schubert gleich zu zwei Meisterwerken inspirierte? DAS MÄDCHEN Vorüber, ach, vorüber! Geh, wilder Knochenmann! Ich bin noch jung, geh, Lieber! Und rühre mich nicht an. DER TOD Gib deine Hand, du schön und zart Gebilde! Bin Freund und komme nicht zu strafen. Sei gutes Muts! Ich bin nicht wild, Sollst sanft in meinen Armen schlafen! Dieses Gedicht, welches Schubert in seinem Kunstlied vertonte stammt von deutschen Dichter Matthias Claudius, welcher von 1740 – 1815 lebte. Er studierte Theologie und Jura, schaffte es jedoch nie zu einem Abschluss. Er

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Schubert – Quartett in d-Moll „Der Tod und das Mädchen

1824 schreibt Franz Schubert sein Quartett in d-Moll, welches 1826 in Wien uraufgeführt wurde. Im zweiten Satz zitiert Schubert sein Lied „Der Tod und das Mädchen“, welches er zum Gedicht von Matthias Claudius (1740-1815) schrieb. Unter dem Eindruck der menschlichen Stimme und der Empfindsamkeit des Liedes schaffte Schubert auf diese Weise eine neue Form der Kammermusik. Sein Malerfreund Moritz von Schwind meinte dazu, die neuen Streichquartette seien “von der Art, daß einem Melodie bleibt wie von Liedern, ganz Empfindung und ganz ausgesprochen.” Gleichsam als Gegengewicht zu dieser Entwicklung gibt Schubert dem Quartett beinahe sinfonische Grösse und Länge. Ein drittes Thema

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Schubert – Mein Traum

Eines der wichtigsten autobiografischen Werke, welches Schubert schrieb, ist „Der Traum“ von 1822. Dieses Gedicht legt auch die Hintergründe um das Quartett in d-Moll offen. Ich war ein Bruder vieler Brüder u. Schwestern. Unser Vater und unsere Mutter waren gut. Ich war allen mit tiefer Liebe zugetan. Einstmals führte uns der Vater zu einem Lustgelage. Da wurden die Brüder sehr fröhlich. Ich aber war traurig. Da trat mein Vater zu mir, und befahl mir, die köstlichen Speisen zu genießen. Ich aber konnte nicht, worüber mein Vater erzürnend mich aus seinem Angesicht verbannte. Ich wandte meine Schritte und mit einem Herzen

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Franz Schubert – Kammermusikreihe in den 20er Jahren

Franz Schubert – Kammermusikreihe in den 20er Jahren Die nächsten Blogbeiträge drehen sich um das zentrale Werk in den nächsten Konzerten der Jungen Zürcher Harmoniker: Das Quartett „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert (1797 – 1828). Schubert komponierte das faszinierende Werk gegen Ende seines kurzen Lebens, im Jahr 1824. „Ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen auf der Welt, jede Nacht, wenn ich schlafen geh, hoff ich, nicht mehr zu erwachen.“ Mit diesem Klageruf wandte sich Franz Schubert am 31. März 1824 an den Malerfreund Leopold Kuppelwieser. Nicht nur der grosse Misserfolg der drei Opern, welche er

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