Souvenir de Florence – eine lange Werkgeschichte

Tschaikowsky, Von Nikolai Kuznetsov – Nikolai Dimitriyevich Kuznetsov’s (1850 – 1929), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3722530

Im Juni 1887 entstanden erste Pläne Tschaikowskys, ein Sextett zu schreiben als Geste der Dankbarkeit gegenüber der St. Petersburger Gesellschaft für Kammermusik, zu deren Ehrenmitglied er ein Jahr zuvor ernannt worden war. Allerdings blieb es in diesem Jahr bei der Idee und einigen Skizzen. 1888 hatte ihn die Idee immer noch nicht losgelassen, wie er in einem Brief an seine Gönnerin Nadezhda von Meck schrieb. Doch es sollte noch bis ins Jahr 1890 dauern, bis er wirklich mit der Arbeit begann. Februar und März dieses Jahres verbrachte er in Florenz und beendete dort nach wenigen Wochen Arbeit am 2. März seine erfolgreiche Oper „Pique Dame“. Er kehrte zurück nach Russland und begann mit dem Sextett. Er war einerseits glücklich und inspiriert von seinem Italienaufenthalt, andererseits hatte ihn das Schicksal der Protagonisten seines Bühnenwerkes stark aufgewühlt. Voller Einfälle und Emotionen machte er sich an die Arbeit. Im Juni schrieb er an seinen Bruder Modest: „Ich habe vor drei Tagen begonnen und schreibe mit Schwierigkeiten, nicht wegen mangelnder Inspiration sondern wegen der Neuheit der Form. Man braucht sechs unabhängige aber aufeinander abgestimmte Stimmen. Das ist unglaublich schwierig.“ Am 6. August stellte Tschaikowsky schliesslich die Partitur fertig. Allerdings war er besorgt, wie das Werk klingen würde und wollte es vor der Veröffentlichung von Freunden durchspielen lassen. Im Dezember 1890 wurde „Souvenir de Florence“ an einem privaten Konzert erstmals gespielt und Tschaikowsky entschied sich, das Sextett noch einmal zu überarbeiten. 1892 war die überarbeitet Version vollendet. Uraufgeführt wurde das 35-minütige Werk im Dezember in St. Petersburg.

Florenz am Arno, wo Tschaikowski während seines Aufenthalts wohnte, Photographer: Basilio Speziari

Das Werk ist grossformatig angelegt und schwankt zwischen dramatischen und theatralischen Momenten und schwelgerischen und lieblichen Melodien. Diese vielseitige und orchestrale Klangsprache inspirierte die Interpreten schon bald dazu, das Kammermusikwerk auch in einer Orchesterfassung aufzuführen. 1893 brachte Anton Seidl in New York erstmals eine Streicherfassung zur Aufführung.

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(Souvenir de Florence in d-Moll, op. 70 / Piotr Illitsch Tschaikowsky (1840 – 1893))

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